Taizé-Andacht in der Rimhorner Kirche


Pfarrer Carsten Stein und Manuel Kelber-Bender am Klavier haben am 25. März 2020 eine Taizé-Andacht in der Rimhorner Kirche gefeiert. Wer mitfeiern möchte, braucht einen ruhigen Platz, eine halbe Stunde Zeit und ein Evangelisches Gesangbuch (EG), dort die Nummer 789. Und hier gehts zur Andacht: https://youtu.be/RApiE9xJt8I

Predigt vom 22. März 2020 zum Wochenspruch

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)
Liebe Gemeinde,
dieser Bibelvers, der seit alters her als Motto für diese Woche der Passionszeit ausgesucht ist, erzählt von Sterben und neuem Leben. Jesus bereitet seine Freunde und Mitstreiter darauf vor, dass er bald nicht mehr unter Ihnen sein wird. Ja, er bereitet sie darauf vor, dass er demnächst sterben wird. Die Jünger wollen nicht, dass es so kommt. Alles soll so bleiben, wie es ist. „Bitte keine Veränderung“, sagen sie. Warum kann es denn nicht – wie der Odenwälder sagt – „ als so weider“ gehen? „Es is doch schei, un es war doch schon imma sou.“ Aber nein, Dinge verändern sich. Und manchmal muss man Liebgewordenes loslassen um etwas Anderes, vielleicht viel Besseres gewinnen zu können.
Jesus macht es mit einem Bild deutlich. Das Weizenkorn wird in die Erde gelegt, damit daraus Neues erwachsen kann. Das Korn selbst wird dabei nicht erhalten bleiben, es geht kaputt. Damit Neues entstehen kann, muss das Alte Platz machen, sich verändern, verschwinden.

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Jahreslosung 2020

Ist das Glas halb leer oder halb voll? Das sehen unterschiedliche Menschen ganz verschieden. Der Pessimist sagt: halb leer, der Optimist: halb voll. Beide beschreiben sie den selben Zustand und kommen doch zu ganz anderem Ergebnis.

Und wie sieht das mit meinem Glauben aus? Habe ich welchen oder habe ich keinen? Ist es mal so und ein anderes Mal anders? Oder pendelt sich mein Glaubenspegel irgendwo in der Mitte ein?

Ein Mann kommt zu Jesus und bittet ihn inbrünstig, seinem kranken Sohn zu helfen. „Wenn du etwas kannst, so hilf uns!“, sagt der Vater zu Jesus. Der wiederum antwortet: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ (Lukas 14)

Der Ball ist zurückgespielt und liegt wieder beim Vater. Auf dessen Glaube kommt es plötzlich an. Wer Glauben, Zutrauen, Vertrauen hat, für den ist nichts unmöglich. Der Vater ahnt, dass es genau so ist: Vertrauen ist gefragt, Gott-Vertrauen. Irgendwo hat er das in sich. Dann aber wieder spürt er seine Verzweiflung, seine Zweifel und er denkt sich: „ich kann nicht glauben, ich habe meinen Glauben verloren“.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“, bricht es aus dem Mann heraus. Und was so klingt wie ein Widerspruch in sich ist Ausdruck einer großen Wahrheit: unser Leben bewegt sich zwischen Antipoden. Zwischen Hass und Liebe, zwischen Nähe und Distanz, zwischen einem tiefen Urvertrauen und einem grundlegendem Zweifel. 

Halte ich diese Spannung aus? Und kann ich akzeptieren, dass mein Leben gerahmt ist von der Erkenntnis „ich glaube“ und der Bitte „hilf meinem Unglauben“? Wenn sich unser Glaubenspegel dazwischen befindet sind wir gehalten. Und letztlich ist damit das Glaubensglas nicht so leer wie gedacht – es ist halbvoll!

Herzlichst,
Ihr Pfarrer Carsten Stein

Trost. Gottes Geist für unsere Seele

„Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 26)

„Trauer mit mir!“ – Unter diesem Motto hat unsere Kirche Ihren Mitgliedern im Herbst Post geschickt. Darin enthalten: Gedanken und Impulse zum Umgang mit Trauer und Trost. Ein wichtiges Thema, gerade am Ende des Jahres. Denn dann haben wir die Gedenktage wie Totensonntag und Volkstrauertag, an denen wir unserer Trauer über verstorbene Verwandte und Freunde und über die Opfer von Krieg und Gewalt Ausdruck geben. Das haben wir in unseren Kirchengemeinden auch getan – in Gottesdiensten und auf Friedhöfen, in persönlichen Begegnungen und kleinen Gesprächskreisen. Es tut so gut, Trauer zu teilen. Es tut so gut, wenn es Trost gibt.

Trost – das meint Ermutigung, Beistand. Jeder Mensch braucht Trost. Das Kind, das in seinem Bett nach der Mutter ruft, weil die Dunkelheit Angst macht. Der alte Mensch, der im Sterben eine Hand umklammert. Wer geboren wird und wer aus dem Leben geht – beide brauchen Trost. Trost vermag in Kummer, Leid und Unglück aufzurichten. Trost kann man empfangen und geben. Man empfängt Trost von Menschen, man empfängt Trost durch eine Wanderung, durch ein Gedicht, ein Bild oder eine Musik. Gott hält vielfältigen Trost für uns bereit. Im Trösten wirkt Gottes Geist auf unsere Seele.

Jesus bezeichnet den Geist Gottes auch als „den Tröster“. Fast so, als ob es seine Kernaufgabe sei, das Trösten. Wenn das so ist, dann ist es auch eine Kernaufgabe von uns Christen, von uns als Kirche. In unseren Gemeinden finden Menschen Trost, im Leben, im Sterben, im Alltag, am Feiertag. Dass wir als Gemeinde und als einzelne Christen diesen Auftrag immer wieder neu annehmen, dazu helfe der lebendige Gott – Gottes tröstender Geist.

Herzlichst,

„Dem Leben Beine machen“

Er spricht von sich selbst als „der halbe Mann“ und ist doch deutlich erkennbar „ein ganzer Kerl“. Florian Sitzmann verlor als 16-Jähriger bei einem schweren Verkehrsunfall beide Beine. Gewonnen aber hat er das Leben. Damals nach dem Unfall und heute, an jedem neuen Tag. Sein Leben ist nicht so wie das von anderen. Vieles ist ihm nicht so möglich, wie es anderen möglich ist. Doch er reagiert darauf nicht mit Rückzug und Resignation, sondern mit Zuversicht und Lebenswillen. Beeindruckend, wie er die Chancen seines Lebens sucht und nutzt, wie er Kraft, Energie und Natürlichkeit ausstrahlt. Dadurch, dass er öffentlich – ob im Fernsehen oder auf dem Dekanatskirchentag in Höchst – über sein „Leben mit einem Handicap“ berichtet, macht er vielen Menschen Mut, mit ihrer eigenen schwierigen Lebenssituation umzugehen. Weiterlesen

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

… so weiß es ein bekanntes Sprichwort. Es kommt uns in den Sinn, wenn wir ähnliche Eigenschaften oder Verhaltensweisen zwischen Kindern und Eltern erkennen. „Du bist wie Deine Mutter“, oder „genau so hat Dein Vater auch immer reagiert“ mag manche/r schon gehört oder gesagt haben. Ähnlichkeiten zwischen Eltern und Kindern sind kein Zufall, sie sind Programm. 

Jeder Mensch ist damit konfrontiert, dass er bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen mitbekam (und auch weitergibt). Entscheidend ist allerdings: steh ich dazu oder ist es mir peinlich? Bekämpfe ich diese Ähnlichkeiten oder fördere ich sie? Das hängt auch eng mit der Frage zusammen, ob ich gerne Kind meiner Eltern bin oder nicht. Weiterlesen

Was wird aus unseren Feiertagen?

„Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist…“ – so schreibt es der Apostel Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus in einem Brief, der uns in der Bibel erhalten ist (2. Tim 3,14). Offensichtlich braucht es wohl auch dafür immer wieder eine bewusste Entscheidung: das Erlernte und Bewährte hoch und in Ehren zu halten. 

Mir fiel dieser Ratschlag ein, als wir in diesem Jahr die Feiertage rund um Ostern vorbereitet und gefeiert haben. Offensichtlich bewegen sich die christlichen Feiertage in unserem „christlichen Abendland“ immer weiter Richtung Bedeutungslosigkeit. An Karfreitag fällt das besonders auf. Während an Gründonnerstag und Ostern relativ viele Menschen in den Gottesdiensten waren, waren es an Karfreitag relativ wenige. Und das, obwohl die Konfirmanden die beiden Gottesdienste um 10.30 Uhr und um 15.00 Uhr gestaltet haben. Ohne sie (und damit auch ohne ihre Familien) wären es erschreckend leere Gottesdienste gewesen. Dazu kommt, dass es viele Menschen gibt, die an diesem Tag inzwischen arbeiten (müssen), wie an einem Werktag. Und an dem zu diesem Tag gehörenden sogenannten „Tanzverbot“ wird immer wieder gesägt und stattdessen zu vielen anderen stimmungsvollen Veranstaltungen eingeladen.  Weiterlesen