Empörend!

Wir haben eine „Empörungskultur“, so habe ich vor Kurzem gelesen. Und ja, das stimmt. Menschen regen sich auf. Über andere Menschen. Natürlich besonders über „die da oben“, über die Verantwortlichen, Politiker, Entscheider. Gerne aber auch über „die Anderen“, die Nachbarn, die Ausländer, die Jungen, die Alten… Ganz offensichtlich liegen die Nerven blank. Irgendwo verständlich, weil viele Menschen unter den Corona-Einschränkungen leiden und sich um ihre Zukunft sorgen. Aber warum führen Krisensituationen wie die jetzige immer sofort zu Schuldzuweisungen? Warum muss immer „ein Schuldiger“ gesucht und gefunden werden? Warum können wir so schwer Dinge aushalten, ohne alles erklären zu können? Es muss an unserer Einstellung liegen. Scheinbar gehen wir davon aus, die Welt wäre perfekt und gut. Und wenn es irgendwo hakt, dann muss das irgendein böser Mensch – oder mehrere davon – (mutwillig) verursacht haben. 

Dabei können wir für eine Pandemie genauso gut oder schlecht einen Schuldigen ausmachen wie für einen Vulkanausbruch oder ein Unwetter. Weiterlesen

Unterm Regenbogen

Zweimal der Regenborgen an unseren Kirchen: das Rimhorner Foto (oben) entstand am 31. August, das Lützelbacher einen Tag später (1. September). Wunderschön, da geht einem das Herz auf! Ich behaupte, es gibt wenige Menschen auf dieser Welt, die einen Regenbogen für ein schlechtes Zeichen halten würden. Ganz im Gegenteil: wir Menschen freuen uns über die Farben, die Sonne und die damit verbundene Gewissheit, dass es nach dem Dunkel immer wieder hell wird. 

Schon vor vielen tausend Jahren haben Menschen den Regenbogen positiv gedeutet. Im Alten Testament ist er explizit benannt als Garant für Gottes Verbindung mit uns. Im 1. Buch Mose wird Gott so zitiert: „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“ (1. Mose 9,13) 

Gott verspricht, dass er die Erde und alles was darauf kreucht und fleucht nicht im Stich lässt. Er kümmert sich persönlich um unsere Welt. Der Regenbogen ist das Siegel, die Unterschrift unter diesem Vertrag. Und, so ist es später formuliert, er lässt sich selbst immer wieder durch den Regenbogen an seine Zusage erinnern: „Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigem Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.“ (Vers 16)

Offensichtlich freuen sich also nicht nur wir Menschen, wenn wir den Regenbogen sehen; Gott tut das auch. Ihm und uns soll es das kraftvolle Zeichen sein, das von Hoffnung und Zukunft erzählt.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir noch ganz oft einen Regenbogen sehen. Und dass wir uns durch den Bogen an Gottes bleibende Fürsorge uns und dieser Welt gegenüber erinnern lassen – gerade in den dunklen Zeiten, den Krisen, den Unsicherheiten, den Ängsten. Gottes Bund ist stärker und beständiger als jede Katastrophe, die uns heimsucht. Auch stärker als Covid 19!

Herzlichst Ihr Pfarrer Carsten Stein

Not lehrt beten!

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66, 20) „Gott ist für mich da und hört mir zu“, so könnte man zusammenfassen.

An vielen Tagen unseres Lebens, wenn es uns gut geht und uns alles von der Hand geht, ist es uns ziemlich egal, ob Gott unsere Gebete hört, oder? Aber wenn es anders kommt, wenn wir uns schwach, krank, einsam und allein fühlen, wenn uns alles über den Kopf zu wachsen droht, wenn wir uns Sorgen machen und die schlimmen Nachrichten aus Nah und Fern uns ängstigen, dann suchen wir das Gebet. Dann suchen wir das offene Ohr und das weite Herz, das uns helfen kann. Dann erinnern wir uns an Gottes Zusagen, seine Liebe, seine Güte. Und wir fangen an zu beten.

Und dann erleben wir das Wunderbare: Gott hört unser Gebet.
Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht,
wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht,
wenn du kraftlos bist und verzweifelt weinst,
wenn du ängstlich bist und dich selbst verneinst,
wenn die Menschheit vor ihrem Ende steht,
wenn die Sonne sinkt und die Welt vergeht –
dann hört er dein Gebet.
In diesem Text von Christoph Zehendner werden viele Situationen aufgezählt, die im Leben ganz vieler Menschen vorkommen – gerade jetzt, gerade in dieser Corona-Zeit. Weiterlesen

Ansprache aus der Auferstehungsfeier am 12. April 2020 in Rimhorn

Liebe Gemeinde,

solch ein Ostern gab es noch nie in der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums. „Stell Dir vor, es ist Ostern, und keiner geht hin.“

Normalerweise ist die Kirche hier am Ostermorgen um 6 Uhr in Rimhorn gut gefüllt. Viele mögen es, zu dieser Zeit an diesem Ort in das Osterfest zu starten. Hinterher gibt es dann immer ein gemeinsames Frühstück im Gemeindesaal. Immer. Aber nicht heute. In dieser Nacht ist alles anders. 
Weiterlesen

Andacht – Karfreitag 2020

„O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, 
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkrone, 
o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, 
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!“ (EG 85,1)

Liebe Gemeinde,
was für ein eindrucksvolles Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ – grandios getextet von Paul Gerhardt und mit einer wunderschönen Melodie von Hans Leo Hassler, beides aus dem 17. Jahrhundert. Weiterlesen