Not lehrt beten!

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66, 20) „Gott ist für mich da und hört mir zu“, so könnte man zusammenfassen.

An vielen Tagen unseres Lebens, wenn es uns gut geht und uns alles von der Hand geht, ist es uns ziemlich egal, ob Gott unsere Gebete hört, oder? Aber wenn es anders kommt, wenn wir uns schwach, krank, einsam und allein fühlen, wenn uns alles über den Kopf zu wachsen droht, wenn wir uns Sorgen machen und die schlimmen Nachrichten aus Nah und Fern uns ängstigen, dann suchen wir das Gebet. Dann suchen wir das offene Ohr und das weite Herz, das uns helfen kann. Dann erinnern wir uns an Gottes Zusagen, seine Liebe, seine Güte. Und wir fangen an zu beten.

Und dann erleben wir das Wunderbare: Gott hört unser Gebet.
Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht,
wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht,
wenn du kraftlos bist und verzweifelt weinst,
wenn du ängstlich bist und dich selbst verneinst,
wenn die Menschheit vor ihrem Ende steht,
wenn die Sonne sinkt und die Welt vergeht –
dann hört er dein Gebet.
In diesem Text von Christoph Zehendner werden viele Situationen aufgezählt, die im Leben ganz vieler Menschen vorkommen – gerade jetzt, gerade in dieser Corona-Zeit. Weiterlesen

Ansprache aus der Auferstehungsfeier am 12. April 2020 in Rimhorn

Liebe Gemeinde,

solch ein Ostern gab es noch nie in der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums. „Stell Dir vor, es ist Ostern, und keiner geht hin.“

Normalerweise ist die Kirche hier am Ostermorgen um 6 Uhr in Rimhorn gut gefüllt. Viele mögen es, zu dieser Zeit an diesem Ort in das Osterfest zu starten. Hinterher gibt es dann immer ein gemeinsames Frühstück im Gemeindesaal. Immer. Aber nicht heute. In dieser Nacht ist alles anders. 
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Andacht – Karfreitag 2020

„O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, 
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkrone, 
o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, 
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!“ (EG 85,1)

Liebe Gemeinde,
was für ein eindrucksvolles Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ – grandios getextet von Paul Gerhardt und mit einer wunderschönen Melodie von Hans Leo Hassler, beides aus dem 17. Jahrhundert. Weiterlesen

Die Kirche im Dorf lassen

„Jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen“ – so formulieren wir es, wenn wir etwas „übertrieben“ finden. Wenn jemand spleenige Ideen hat oder ungewöhnliche Maßnahmen vorschlägt. In diesen Tagen der Corona-Krise sind unglaublich viele Maßnahmen umgesetzt worden, bei denen wir unter normalen Umständen bei jeder einzelnen gesagt hätten: „das ist ja völlig überzogen, wir wollen ja wohl mal die Kirche im Dorf lassen!“ Geschlossene Schulen und Kitas, heruntergefahrene Produktion, Kontaktverbot… All diese Maßnahmen sind (lebens-)wichtig, aber sie schränken unser gewohntes Leben in nie gekanntem Ausmaß ein und werden unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. 

Ist da die Kirche noch im Dorf geblieben? 

Doch, tatsächlich, das ist sie. In jedem unserer Dörfer ist mindestens ein Kirchturm zu sehen, manchmal gibt es sogar zwei. Diese Kirchen sind zum größten Teil schon sehr lange dort, manchmal seit über 1000 Jahren! Sie haben Menschen kommen und gehen sehen, vielfältige Entwicklungen und Veränderungen überstanden. Sie haben Kriege und Krankheiten, aber auch Frieden und Wohlstand überlebt. Manchmal waren sie berstend voll, manchmal auch wieder gähnend leer. All das hat ihnen nichts ausgemacht. Sie sind da, immer noch. Genau genommen ist die Kirche das einzige Gebäude im Ort, das über Jahrhunderte seinen Sinn und Zweck nicht verändert hat. 

Heute wie damals zeugen die Kirchengebäude davon, dass Gott mitten unter uns wohnen will. Dass wir als Einzelne und als gesamte Menschheit nicht auf uns alleine gestellt sind, sondern dass sich der Schöpfer des Himmels und der Erde für uns, seine Geschöpfe, interessiert. 

Jesus Christus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt.“ Diese Zusage findet sich am Ende des Matthäus-Evangelium und sie gilt auch und gerade dann, wenn es „Matthäi am Letzten“, also „kurz vor zwölf“ ist. 

Mit Gottes Hilfe werden wir auch diese Krise überstehen. ER bleibt bei uns. Und als äußeres Zeichen dafür werden wir auch weiterhin „die Kirche im Dorf lassen“.

Herzlichst,
Ihr Pfarrer Carsten Stein

Taizé-Andacht in der Rimhorner Kirche


Pfarrer Carsten Stein und Manuel Kelber-Bender am Klavier haben am 25. März 2020 eine Taizé-Andacht in der Rimhorner Kirche gefeiert. Wer mitfeiern möchte, braucht einen ruhigen Platz, eine halbe Stunde Zeit und ein Evangelisches Gesangbuch (EG), dort die Nummer 789. Und hier gehts zur Andacht: https://youtu.be/RApiE9xJt8I

Predigt vom 22. März 2020 zum Wochenspruch

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)
Liebe Gemeinde,
dieser Bibelvers, der seit alters her als Motto für diese Woche der Passionszeit ausgesucht ist, erzählt von Sterben und neuem Leben. Jesus bereitet seine Freunde und Mitstreiter darauf vor, dass er bald nicht mehr unter Ihnen sein wird. Ja, er bereitet sie darauf vor, dass er demnächst sterben wird. Die Jünger wollen nicht, dass es so kommt. Alles soll so bleiben, wie es ist. „Bitte keine Veränderung“, sagen sie. Warum kann es denn nicht – wie der Odenwälder sagt – „ als so weider“ gehen? „Es is doch schei, un es war doch schon imma sou.“ Aber nein, Dinge verändern sich. Und manchmal muss man Liebgewordenes loslassen um etwas Anderes, vielleicht viel Besseres gewinnen zu können.
Jesus macht es mit einem Bild deutlich. Das Weizenkorn wird in die Erde gelegt, damit daraus Neues erwachsen kann. Das Korn selbst wird dabei nicht erhalten bleiben, es geht kaputt. Damit Neues entstehen kann, muss das Alte Platz machen, sich verändern, verschwinden.

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Jahreslosung 2020

Ist das Glas halb leer oder halb voll? Das sehen unterschiedliche Menschen ganz verschieden. Der Pessimist sagt: halb leer, der Optimist: halb voll. Beide beschreiben sie den selben Zustand und kommen doch zu ganz anderem Ergebnis.

Und wie sieht das mit meinem Glauben aus? Habe ich welchen oder habe ich keinen? Ist es mal so und ein anderes Mal anders? Oder pendelt sich mein Glaubenspegel irgendwo in der Mitte ein?

Ein Mann kommt zu Jesus und bittet ihn inbrünstig, seinem kranken Sohn zu helfen. „Wenn du etwas kannst, so hilf uns!“, sagt der Vater zu Jesus. Der wiederum antwortet: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ (Lukas 14)

Der Ball ist zurückgespielt und liegt wieder beim Vater. Auf dessen Glaube kommt es plötzlich an. Wer Glauben, Zutrauen, Vertrauen hat, für den ist nichts unmöglich. Der Vater ahnt, dass es genau so ist: Vertrauen ist gefragt, Gott-Vertrauen. Irgendwo hat er das in sich. Dann aber wieder spürt er seine Verzweiflung, seine Zweifel und er denkt sich: „ich kann nicht glauben, ich habe meinen Glauben verloren“.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“, bricht es aus dem Mann heraus. Und was so klingt wie ein Widerspruch in sich ist Ausdruck einer großen Wahrheit: unser Leben bewegt sich zwischen Antipoden. Zwischen Hass und Liebe, zwischen Nähe und Distanz, zwischen einem tiefen Urvertrauen und einem grundlegendem Zweifel. 

Halte ich diese Spannung aus? Und kann ich akzeptieren, dass mein Leben gerahmt ist von der Erkenntnis „ich glaube“ und der Bitte „hilf meinem Unglauben“? Wenn sich unser Glaubenspegel dazwischen befindet sind wir gehalten. Und letztlich ist damit das Glaubensglas nicht so leer wie gedacht – es ist halbvoll!

Herzlichst,
Ihr Pfarrer Carsten Stein